Bildungsunternehmer Jan Künzl: „Wir raten unseren Kunden zu Creative Commons“

Wer sind eigentlich die Leute, die Inhalte unter Creative Commons veröffentlichen oder diese Inhalte nutzen? Und warum tun sie es? Eine Serie. Dieses Mal: Jan Künzl, Geschäftsführer der Agentur edeos.

Jan Künzl

Jan Künzl (Bild: CC-BY-SA)

Lieber Jan, was machst Du eigentlich so?

Ich bin Geschäftsführer der Agentur edeos. Wir produzieren digitale Bildungs- und Informationsmedien, z.B. animierte Erklärfilmen, statische und interaktive Infografiken und Unterrichtsmaterialien. Die Agentur ist aus dem WissensWerte-Projekt des Vereins /e-politik.de/ e.V.  hervorgegangen. In dem Projekt entsteht seit etwa fünf Jahren eine Reihe von Erklärvideos, die politische Themen wie Globalisierung, Menschenrechte oder Biodiversität erklärt.

Und was hat das mit Creative Commons zu tun bzw. seit wann nutzt Ihr bei EDEOS Creative Commons und wie kam es dazu?

Die Idee, möglichst viele offene Lizenzformate, wie Creative Commons, zu nutzen war von Anfang an mit dabei. Entsprechend haben die WissensWerte Medien allesamt eine Creative Commons BY-SA 3.0 Lizenz. Weil das WissensWerte-Projekt teilweise über öffentliche Fördermittel finanziert wird, ist dies finanziell möglich, unserer Meinung nach aber auch normativ geboten. Diese Lizenzierung hat einen wesentlichen Anteil an der guten Reichweite, die die Medien erzielen, und hat damit auch beigetragen, das Projekt und die Agentur bekannt zu machen.

War es schwierig Projektpartner von Creative Commons zu überzeugen bzw. wie habt ihr das geschafft?

Bei Auftragsarbeiten der Agentur gehen im Normalfall alle Rechte auf den Kunden über. Die Lizenzentscheidung liegt also bei ihm. Aus unserer positiven Erfahrung mit CC-Lizenzen heraus, raten wir unsere Kunden (Ministerien, Behörden, NGOs, Vereine und Verbände) aber regelmäßig zur Nutzung von solchen Lizenzen. Ich habe den Eindruck, dass die Vorteile zunehmend erkannt werden. Aber natürlich gibt es an vielen Stellen auch noch Unsicherheiten und Ängste vor Kontrollverlust.

Welche Erfahrungen habt ihr seither mit Creative Commons gemacht?

Wir haben durchweg positive Erfahrungen mit CC gemacht. Der größte Vorteil für uns liegt in dem Reichweitenpotential. Wenn ein Hauptziel eines Projektes, einer Kampagne oder eines Medienprodukts eine hohe Öffentlichkeitswirksamkeit ist, dann ist es wichtig die Nutzung, Verbreitung, Vorführung etc. so einfach wie möglich zu gestalten. Die CC-Lizenzen sind da ein sehr gutes Instrument.

Ganz allgemein, was gefällt Dir an Creative Commons, was stört Dich?

Wie man schon herauslesen konnte, bin ich grundsätzlich sehr überzeugt von CC-Lizenzen. Um die Nutzung weiter zu verbessern, würde ich mir zwei Dinge wünschen: erstens, eine weitere Vereinfachung des Lizenzmodells. Um die konkreten Auswirkungen von bestimmten Konstellationen, wie dem NC-Modul, zu verstehen, erfordert es schon einige Beschäftigung mit dem Thema. Das verunsichert weiterhin viele Urheber, die potentielle CC-Nutzer sind. Gleichzeitig sollte, zweitens, die Öffentlichkeitsarbeit rund um das Thema CC weiter ausgebaut werden. Nur wenn die Lizenzen auch für Laien bekannt und klar sind, können CC Lizenzen in bestimmten Bereichen zum Mainstream werden.

Was ist Deine liebste Quelle für Creative-Commons-lizenzierte Inhalte?

Für alles rund um das Thema Creative Commons ist in Deutschland natürlich iRights.info eine unverzichtbare Quelle. Für die Suche und Aggregation von Medien mit CC Lizenzen steht die Entwicklung einer umfassenden Plattform mit guter Usability meines Erachtens noch aus.

Zum Abschluss: was müsste Deiner Meinung nach passieren, damit Creative Commons im Bildungsbereich Mainstream wird?

Der Bereich Open Educational Ressources scheint mir im Moment recht dynamisch. Der Beschluss des Berliner Abgeordnetenhauses „das Prinzip von offenen digitalen Bildungsressourcen (sog. Open-Educational Resources) in der schulischen Bildung umzusetzen“ und die ersten 2 Millionen Euro im Bundeshaushalt 2015, die zum Projekt Mapping OER geführt haben, zeigen auch deutlich, dass Teile der Politik aufmerksam geworden sind. Es bleibt zu hoffen, dass dies nicht nur der Hoffnung geschuldet ist, mit OER Geld zu sparen. Denn bei aller normativen Wohlgesonnenheit ist eines klar: Zum Mainstream kann CC im Bildungsbereich wohl nur werden, wenn es auch gelingt, solide Geschäftsmodelle in dem Bereich zu etablieren.

03. September 2015 von redaktioncc
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