Musikpirat Christian Hufgard: „Ich mag die Einstellung dahinter“

Wer sind eigentlich die Leute, die Inhalte unter Creative Commons veröffentlichen oder diese Inhalte nutzen? Und warum tun sie es? Eine Serie. Dieses Mal: Christian Hufgard, Softwarearchitekt und Chefredakteur des Portals von Musikpiraten e. V..

Christian Hufgard (Foto: Kristof Zerbe, CC-BY-NC-ND )

Christian Hufgard (Foto: Kristof Zerbe, CC-BY-NC-ND )

Lieber Christian, was machst Du eigentlich so?

Ich bin als Softwarearchitekt für eine IT-Tochter einer großen deutschen Airline tätig.

Und was hat das mit Creative Commons zu tun?

Eigentlich nicht viel. Die meisten Software die wir verwenden ist aber unter anderen freien Lizenzen veröffentlicht, wie der APL oder der GPL.

Du bist Chefredakteur beim Verein Musikpiraten e. V. – hat der etwas mit der Piratenpartei zu tun? Und wieso fördert ihr Creative Commons, das ist ja gerade keine Piraterie?

Der Musikpiraten e.V. ist, wie es so schön heißt, der Piratenpartei nahestehend. Der Verein wurde 2009 von Musikern und Piraten gemeinsam gegründet, um den OpenMusicContest zu unterstützen. Weil der dann aber ausfiel, haben wir den Free! Music! Contest ins Leben gerufen. Wie auch bei der Piratenpartei ist unser Name eine Verballhornung des Piraten-Begriffs. Mit dem versucht ja die Medienindustrie seit über einem Jahrzehnt das private Herunterladen von Werken zu kriminalisieren.

Beim Verein Musikpiraten e.V. veröffentlicht ihr regelmäßig Creative-Commons-lizenzierte Musik-Sampler – wie wählt ihr die Songs dafür aus?

Die ersten Jahre wurde das ausschließlich von einer Jury gemacht. Dieses Jahr hatten wir erstmal ein Publikumsvoting dabei. Jury (und Publikum) „müssen“ sich durch alle Songs anhören und entscheiden dann bei jedem Titel, ob er auf die CD soll oder nicht. Aus der Anzahl der Stimmen ergibt sich dann eine Reihenfolge und der Platz auf der CD begrenzt die Liste nach unten. Bei dem Wettbewerb kann sich jeder selber anmelden. Dadurch, dass wir von Creative Commons unterstützt werden, haben wir Anmeldungen von Bands und Solo-Künstlern aus der ganzen Welt.

Dieses Jahr hatten wir mit dem Remix von „Visions“ noch eine Neuerung. Der Song war von Lesern des Magazins TerraRelicta in einem Remix-Contest ausgewählt worden.

Was macht ihr sonst noch sei bei Musikiraten e. V.?

Wir stellen immer wieder Urheber vor, die ihre Werke unter freier Lizenz oder zumindest für jederman frei abrufbar im Internet anbieten. Alle Jahre wieder gibt es von uns auch einen Adventskalender, bei dem es jeden Tag ein Creative-Commons-lizenziertes Musikstück zu hören gibt. Der kann auch von jederman einfach auf der eigenen Webseite eingebunden werden.

Ganz allgemein, was gefällt Dir an Creative Commons, was stört Dich?

Ich mag die Einstellung dahinter. Statt für jede einzelne Kopie eines Werkes Kohle sehen zu wollen, entscheiden sich die Urheber bewusst, der Allgemeinheit mehr Rechte einzuräumen, als das bei einer klassischen Veröffentlichung der Fall wäre.

Problematisch wird es aber, wenn jemand behauptet, Rechte an einem Werk zu haben, von dem die Urheber erklären, es wäre ein CC-Werk. Das prominenteste Beispiel hierfür ist die GEMA. Die erklärt qua jure, alle Musikstücke weltweit seien von ihr vertreten uns als Nutzer muss man dann beweisen, dass dem nicht so ist. Wenn jetzt die Urheber nicht ihre bürgerlichen Namen, das Geburtsdatum und den aktuellen Wohnort bekannt geben, kassiert die GEMA und das Geld versackt dann im Apparat. Das finde ich sehr unfair und wir Musikpiraten haben uns auch schon vor Gericht dagegen gewehrt, aber leider verloren.

Was ist Deine liebste Quelle für Creative-Commons-lizenzierte Inhalte?

Das ist ganz eindeutig CC-Mixxter. Danach kommen Flickr und Vimeo.

Zum Abschluss: was müsste Deiner Meinung nach passieren, damit Creative Commons und vor allem CC-lizenzierte Musik Mainstream wird?

Die Major-Labels und auch die klassischen Indies müssten pleite gehen. Dem „Durchschnittskonsument“ ist es – verständlicher Weise – vollkommen egal, unter welcher Lizenz ein Song veröffentlicht worden ist. In erster Linie zählt ob er gefällt oder nicht.

Ich denke Creative-Commons-Musik und der „Mainstream“ können problemlos nebenher existieren. Vor allem wenn mit der C3S eine Verwertungsgesellschaft existiert, die Urheber dabei unterstützt, ihre Rechte gegenüber kommerziellen Musiknutzern zu vertreten. Heutzutage muss ein Urheber de facto bei der GEMA eintreten, wenn er hier adequat vertreten sein möchte.

01. Januar 2015 von redaktioncc
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