Netzpolitiker Yannick Haan: „Eine möglichst offene Lizenz verwenden“

Wer sind eigentlich die Leute, die Inhalte unter Creative Commons veröffentlichen oder diese Inhalte nutzen? Und warum tun sie es? Eine Serie. Dieses Mal: Yannick Haan, wissenschaftlicher Mitarbeiter eines Bundestagsabgeordneten und Sprecher des Forums Netzpolitik der Berliner SPD.

Yannick Haan (Foto: privat)

Yannick Haan (Foto: privat)

Lieber Yannick, was machst Du eigentlich so?

Bis vor Kurzem habe ich noch Interkulturelle Kommunikation an der Europa-Universität Viadrina studiert. Jetzt arbeite ich als Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei einem Abgeordneten im Bundestag. Ansonsten versuche ich noch der SPD das mit dem Internet zu erklären. Allerdings scheitere ich daran regelmäßig.

Du hast kürzlich Deine Masterarbeit zu E-Partizipation im Stadtentwicklungsbereich unter Creative Commons veröffentlicht – was waren die Gründe dafür?

Weil ich will, dass Menschen die Arbeit verbreiten, kritisieren, weiterentwickeln. Und hier bietet sich eine CC Lizenz natürlich an.

Welche Lizenz hast Du für Deine Masterarbeit ausgesucht und warum?

Ich habe mich für eine CC BY-SA Lizenz entschieden. Ich fand die am sinnvollsten da der Aspekt des „Remixens“ bei wissenschaftlichen Arbeiten ja eher wegfällt. Ansonsten war es mir wichtig eine möglichst offene Lizenz zu verwenden.

Verwendest Du sonst auch Creative Commons Lizenzen und/oder Inhalte?

Ja, ich stelle so weit es möglich ist alles unter eine CC-Lizenz.

Was gefällt Dir an Creative Commons, was stört Dich?

Mir gefällt, dass man selber entscheiden kann was mit den eigenen Inhalten passiert. Man ist deutlich flexibler als mit dem klassischen Urheberrecht. Hier beginnt dann aber auch das Problem von Creative Commons. Es ist mir oft zu kompliziert. Für viele (auch oft für mich) ist es schwierig nachzuvollziehen was man jetzt tun darf und was nicht.

Was ist Deine liebste Quelle für Creative-Commons-lizenzierte Inhalte?

Ganz viele tolle kleinere Blogs die vor allem mit Bildern arbeiten wie zum Beispiel monolithos oder urbanfieldnotes.

Zum Abschluss: was müsste Deiner Meinung nach passieren, damit Creative Commons Mainstream wird?

Das System der CC Lizenzen müsste deutlich vereinfacht werden. Die wenigsten Menschen haben heute ein Problem damit wenn ihre Bilder oder Inhalte geremixed oder verbreitet werden. Die wenigsten Menschen haben aber auch Lust sich wirklich intensiv mit dem Urheberrecht zu beschäftigen. Die CC Lizenzen müssten deutlich vereinfacht werden und vor allem auch eine andere Sprache finden. Unter „Weitergabe unter gleichen Bedingungen“ beispielsweise können sich wohl die wenigsten Menschen wirklich etwas vorstellen. Außerdem muss es Spaß machen CC-Lizenzen zu verwenden. Man muss endlich rauskommen aus der juristisch-nerdigen Ecke.

30. Juli 2014 von redaktioncc
Kategorien: Menschen | Schlagwörter: , , , , | 2 Kommentare

Kommentare (2)

  1. Danke für das Interview und die Reihe, die ich seit Beginn mit Interesse verfolge. Es wäre schön, wenn ihr noch mehr Künstler zu Wort kommen lassen könntet. Musiker zum Beispiel, aber auch Literaten wie Francis Nenik, die mit ihren Büchern und Texten schon Preise gewonnen haben und sie trotzdem (oder vielleicht gerade deswegen?) unter CC-Lizenzen veröffentlichen. Mehr dazu unter:
    http://www.the-quandary-novelists.com/
    Besonders interessant fand ich an dem Interview die Aussage, dass es eben nicht nur ums Weiterverbreiten von Inhalten, sondern auch ums Kritisieren derselben geht bzw. um die Möglichkeit, das überhaupt erst zu tun. Gerade im wissenschaftlichen, aber auch im politischen Bereich würde ich mir so etwas viel häufiger wünschen. Das könnte, gerade in der Politik, meines Erachtens ein wenig dazu beitragen, dass Antworten abgewogener und Selbsteinschätzungen realisitscher, das heißt widersprüchlicher werden. Die Piraten haben das eine (kurze) zeitlang gepflegt, aber ich fürchte, es war nicht genug…

    • Danke für den Hinweis – wir sind immer dankbar für Ideen für weitere Interviewpartnerinnen und -partner. Werde gleich noch ein paar Anfragen raushauen.. 😉

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