Warum nicht Creative Commons? (4): Facebook

In der Serie „Warum nicht Creative Commons?“ stellen wir an Plattformen und Diensteanbieter die Frage, warum sie eigentlich nicht die Nutzung von Creative Commons erlauben. Für Teil 4 haben wir bei Facebook nachgefragt.

200px-Facebook.svgNachdem wir erst einmal die E-Mail-Adresse für Presseanfragen an Facebook in dessen Newsroom gefunden hatten, schickten wir folgende englische Anfrage an press@fb.com:

Facebook is probably the largest Image hosting service in the world and a large number of images is openly available to the public. However, there is no simple option to choose a Creative Commons license for one’s images. Why is this the case? (Other platforms such as Flickr or even YouTube allow at least some Creative Commons licenses).

Mit anderen Worten: warum können die gut eine Milliarde Facebook-NutzerInnen nicht für ihre eigenen Bilder, die häufig frei im Netz zugänglich sind, eine Creative-Commons-Lizenz wählen?

Zu unserer Überraschung meldete sich noch am selben Tag Facebook Deutschland telefonisch zurück, um uns die Position von Facebook zu erläutern. Nach einer auführlichen Belehrung darüber, dass NutzerInnen nicht sämtliche Rechte an ihren Bildern durch das Hochladen auf Facebook verlieren (was uns durchaus bewusst war), erklärte uns der der Facebook-Sprecher, dass sich Facebook nicht als Hosting-Plattform sondern als soziales Netzwerk verstehe und deshalb eine solche Funktion nicht anbiete. Auf unsere Bitte hin wurde uns diese Position dann noch einmal in einer kurzen Stellungnahme via Mail übermittelt, die wir hier ungekürzt wiedergeben:

[W]ie telefonisch besprochen, verstehen wir uns nicht als Content-Hosting-Plattform, sondern als soziales Netzwerk. Daher gibt es auch keine unterschiedlichen Lizenzen, die Menschen auf Facebook anderen Nutzern erteilen können. Anstatt Lizenzen für Bildnutzung zu verteilen, haben Menschen auf Facebook immer die Möglichkeit, beim Hochladen und Teilen von Foto- oder Video-Inhalten die genaue Zielgruppe, also beispielsweise „Freunde“ oder einzelne Personen, auswählen. Nur diese Freunde können die Inhalte dann teilen. Darüber hinaus können diese weiterverbreiteten Inhalte nur gemeinsame Freunde sehen. Wenn Sie Inhalte „Öffentlich“ teilen, kann diese wiederum jeder teilen und auch jeder sehen. Der Urheber behält dabei immer das Recht am eigenen Bild und wie auf jeder anderen Plattform, sind alle Menschen dazu verpflichtet, sich an die in Deutschland gültigen Bild- und Urheberrechte zu halten.

Diese Antwort ist leider unerfreulich. Es geht uns genau um den Fall, in dem Inhalte „Öffentlich“ geteilt werden, sodass sie „jeder teilen und auch jeder sehen“ kann. Es ist völlig klar, dass UrheberInnen dabei immer die Rechte an ihren Bildern behalten. Genau darum geht es: Warum gibt es bei Facebook nicht die Möglichkeit – wenn der/die UrheberIn das möchte – eine Creative-Commons-Lizenz zu verwenden, wie dies beispielsweise bei YouTube der Fall ist? Gründe dafür gibt es eine Menge, exemplarisch finden sich zehn gute Gründe für Creative Commons hier.

Tatsächlich ist Facebook längst wie auch YouTube eine Mischung aus sozialem Netzwerk und Content-Hosting-Plattform. Werden Bilder auf Facebook öffentlich geteilt, erfüllt Facebook genau diese Doppelfunktion – und das ist ja auch gut so! Dass es aber Bedarf nach einer Creative-Commons-Lizenzierungsoption gibt – und zwar nicht nur auf Facebook, sondern auch bei Facebooks Fotonetzwerk Instagram – beweisen auch Workarounds wie i-am-cc.org.

Leider haben wir auf eine Nachfrage mit ebendiesen Argumenten dann keine Antwort mehr erhalten. Gleichzeitig zeigt uns die nicht sehr standardisierte Antwort auf unsere Frage, dass Facebook scheinbar noch nicht sehr häufig mit dem Wunsch nach einer Creative-Commons-Option konfrontiert worden sein dürfte. Wer weiß, vielleicht würde es helfen, wenn noch mehr Menschen via Mail ihren Wunsch nach Creative Commons in Facebook äußern würden?

10. Juni 2014 von redaktioncc
Kategorien: Warum nicht CC? | Schlagwörter: , , , | 2 Kommentare

Kommentare (2)

  1. Ich bin generell dafür, dass Autoren eindeutige Lizenzen, und nach Möglichkeit solche verwenden, die Remixes und Sharing befördern.

    Allerdings habe ich großes Verständnis dafür, dass Facebook nicht selber Lizenzierungsoptionen anbietet.

    1. Die Zahl derjenigen, die fremde Inhalte fälschlicherweise als CC flaggen, dürfte beträchtlich werden.
    2. Es ist gegenwärtig niemand daran gehindert eine Lizenz an eigene Werke zu hängen.

    Der Vorteil wäre da, aber hielte sich in Grenzen, aber bestünde für sehr Wenige. Die rechtlichen Probleme – mit denen sich dann auch Facebook konfrontiert sähe – wären dagegen vielfältig (Minderjährige die falsch flaggen, neue Welle DMCA-Takedown-Requests, etc.), . Und Facebook begreift sich eben nicht als Content-Hoster.

  2. Pingback: Re: Offener Brief an die Intendanten der ARD-Sender

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