Gesche Joost und ihr Team: „Wichtig, Wissen zu teilen!“

Gesche Joost (Bild: NEXT Berlin, CC-BY-2.0, via Wikimedia Commons)

Gesche Joost (Bild: NEXT Berlin, CC-BY-2.0, via Wikimedia Commons)

Wer sind eigentlich die Leute, die Inhalte unter Creative Commons veröffentlichen oder diese Inhalte nutzen? Und warum tun sie es? Eine Serie. Dieses Mal: Gesche Joost, Professorin für Designforschung an der Berliner Universität der Künste. 

Liebe Gesche, was machst Du eigentlich so?

Ich bin von Hause aus Designerin und habe an der Universität der Künste ein Lab zum Thema „Mensch-Maschine-Interaktion“ aufgebaut, das Design Research Lab. Dort entwickle ich mit meinem Team neue Formen der Interaktion mit vernetzten Systemen, z.B. in Form von interaktiven Textilien, als Gesten-Interaktion, oder als Kommunikationshandschuh für Taubblinde. Leitbild der Forschung ist grundsätzlich die Partizipation unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen, z.B. Ältere, Menschen mit Behinderungen, Frauen, Familien, usw. um die Technologie-Entwicklung vielseitiger und nachhaltiger zu gestalten. Communities spielen dabei eine große Rolle –als gesellschaftliche Gruppen, die gemeinsam etwas gestalten wollen. Daher ist es uns wichtig, unser Wissen und unsere Ergebnisse mit der Community zu teilen – open source, open access oder unter Creative Commons Lizenz.

Verwendest Du bei Deiner Arbeit Werke, die andere unter Creative Commons veröffentlicht haben?

Wir verwenden Open-Source-Technologien und Software unter GNU- bzw. Apache-Lizenz. HTML, LaTeX. Wir verwenden auch Werke, die andere unter Creative Commons veröffentlicht haben. Mein prominentestes Beispiel ist Arduino. Bei der Hardware sind die Baupläne der Boards Open Source. Bei der dazugehörigen Software der Code (z.B. Libraries zum Auslesen von Sensoren) wie auch elektronische Schaltpläne (Arduino, Sparkfun), zum Illustrieren und Weiterverarbeiten. Weiterhin greifen wir gelegentlich auf Bildmaterial zurück, das unter CC-Lizenz veröffentlicht wurde.

Und umgekehrt, veröffentlichst Du selbst auch unter Creative Commons? Warum (nicht)? Wenn ja, wo kann man sich das anschauen?

Die Bilder einiger unserer Prototypen haben wir als CC-BY-SA 3.0 ins Netz gestellt (z.B. hier). Auch in einem weiteren Projekt haben wir Creative Commons Lizensierung genutzt. Ein Auszug aus der Website www.skintimacy.org:

>> LICENCE:
Please feel free to redesign and remix Skintimacy in a safe,
health-conscious and peaceful manner. All content of this
instruction manual including the circuit diagram are licensed
under a Creative Commons Attribution-Non Commercial 3.0 Unported License.

Wir versuchen im Team die Lizenzierung zu nutzen, sofern das Material das erlaubt, also keine Personen- oder Nutzungsrechte verletzt werden. Auch hier vor allem Bilder, aber auch Strickmuster. Bald vor allem unter www.interactex.de zu finden.

Was ist Deine liebste Quelle für Creative-Commons-lizenzierte Inhalte?

Vor allem Google, Flickr, Arduino oder Sparkfun.

Zum Abschluss: was müsste Deiner Meinung nach passieren, damit Creative Commons Mainstream wird?

Dafür habe ich ein paar Kommentare meiner DoktorandInnen gesammelt:

  • „Google bräuchte eine spezielle Suchfunktion dafür, das wäre auch gut!“ [Anm.: gibt es schon länger, seit kurzem aber viel komfortabler]
  • „Den Film „Rip“ kann ich auch sehr empfehlen, was das angeht: ‚Wahrscheinlich müssten kommerzielle Anbieter von Inhalten davon profitieren können, in welcher Form auch immer. Für Privatanbieter, denke ich, funktioniert das Modell schon ganz gut, solange man finanziell nicht darauf angewiesen ist.'“
  • „Mehr populäre Vorreiter, die unter CC veröffentlichen wie z.B. Radioheads Video “House of Cards” wo zum Remixen eingeladen wurde oder Nine Inch Nails mit ihrem Album Ghosts I – IV.“
  • „Es müssen Meiner Meinung nach Modelle gefunden werden, bei dem die Arbeit entlohnt wird. Viele Open Source Projekte haben Ihren Ursprung an universitären Institutionen, wo die EntwicklerInnen angestellt sind.“
  • „Schön ist ja, dass jeder seine Arbeit unter CC veröffentlichen kann. Aber dadurch ist es schwer, gute Arbeiten in der breiten Masse zu finden. Insofern wären präsente Bühnen für hochwertige und stabile Werke wichtig. Möglicherweise gibt es die, aber auch die muss man wohl gezielt suchen.“
  • „Die CC-Lizensierung müsste bekannter werden. Universitäten müssten einen hohen Anreiz haben, unter CC zu veröffentlichen, z.B. bei Lehrprojekten oder bei öffentlich geförderten Projekten.“

16. Januar 2014 von redaktioncc
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